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Deutschland, eine späte Seefahrtsnation
von Hubertus Godeysen
Es war ein langer Weg, den die Deutschen in ihrem vorrangig binnenländisch geprägten Staatenbund zurücklegen mussten, um zu einer Seefahrtsnation zusammenzuwachsen. Im Gegensatz zu den alten traditionsreichen Seemächten England, Frankreich, Spanien, Schweden, den Niederlanden und Dänemark wuchsen nur die norddeutschen Küstenbewohner mit der Seefahrt auf. Über Generationen fuhren sie unter fremder Flagge zur See, mitunter auch unter friesischer, Hamburger oder Bremer, aber sehr spät erst unter deutscher Flagge.
Dabei wurden über Jahrhunderte Schiffe an der Nord- und Ostsee, an Elbe, Weser, Ems und Oder gebaut, die von erfahrenen Kapitänen und Mannschaften erfolgreich gesegelt wurden und ihre Küstenstädte reich machten. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts dominierte die Deutsche Hanse den Ostseeraum, die Nordsee und Nordeuropa mit ihren Zentralen in Lübeck, Hamburg und Bremen. Erst als spanische und portugiesische Seefahrer Amerika entdeckten und Afrika umrundeten, begann ihr Niedergang.
Den Todesstoß versetzte dann der 30-jährige Krieg (1618-1648) der Hanse, der vor allem in Norddeutschland ganze Ortschaften und Regionen verwüstete und 40% der Landbevölkerung durch Krieg und Seuchen hinraffte. Als mit dem Westfälischen Frieden 1648 endlich der Krieg endete, zählten Frankreich, Schweden und die Niederlande zu den Gewinnern, die sich nun, gemeinsam mit England, zu mächtigen Nationalstaaten entwickelten. In den Niederlanden schuf ein liberales Bürgertum durch den blühenden Seehandel Wohlstand und das „Goldene Zeitalter“.
Zu den Verlierern dieses „verheerenden“ Krieges zählten der von Habsburg gestellte römisch-deutsche Kaiser, das katholische Österreich und die deutschen Länder. Umgeben von immer mächtiger werdenden Nationalstaaten, zerfiel Deutschland in über 300 selbstständige Einzelstaaten. Alle diese vielen Königreiche, Fürstentümer, Bistümer einschließlich der freien Städte Hamburg, Bremen, Lübeck und Frankfurt a.M. vertraten eigene Interessen, verbündeten oder bekämpften sich und blockierten die Entwicklung zu einer geeinten Nation.
Die Mehrheit der Binnenbevölkerung, die fernab der Küste lebte, interessierte sich kaum für die Seefahrt, für Schiffe, Seeleute und Seehandel. Und die meisten deutschen Länder, die an Nord- und Ostsee lagen, gehörten nun zu Schweden oder Dänemark. Die alten Handels- und Hafenstädte konnten sich allein nicht schützen, zu mächtig waren die Kriegsflotten der fremden Landesherren. Nur Hamburg und Bremen wurde der freie Zugang zur „Hohen See“ vertraglich zugesichert und Hamburg nutzte diese Sonderstellung, um sich zu einem führenden Handels- und Finanzplatz zu entwickeln.
Deutschland: Landmacht ohne Seefahrt
Die Friesen und die Menschen, die an der Nordsee, auf den Inseln und Halligen lebten, waren lange schon zur See gefahren. Über Jahrhunderte hatten sie ihr Land dem Wasser abgetrotzt, in Sturmfluten um Haus und Hof gekämpft, sich mit Deichen geschützt, Fluch und Segen des Meeres erfahren und gelernt mit der See zu leben. Nun mussten sie ihre Heimat nicht nur gegenüber Naturgewalten verteidigen, sondern auch im Kampf der europäischen Mächte um Küstenregionen, Seehäfen, Handelsplätze und maritime Einflusszonen.
Im 16. und 17. Jahrhundert konkurrierten zunächst Portugal und Spanien um die Seeherrschaft, danach folgten die Niederlande, Frankreich und England. Über 200 Jahre bekämpften sich diese Mächte wirtschaftlich und militärisch, wobei sich kein Land durchsetzen konnte. Dies änderte sich erst durch den britisch-preußischen Sieg bei Waterloo (1815) über das napoleonische Frankreich. Großbritannien stieg zur dominierenden Seemacht mit weltweiten Kolonien auf, während Preußen eine starke Landmacht im Herzen Europas wurde, ohne politische Interessen in Übersee, ohne Kriegsflotte und ohne maritime Intentionen. Ganz nach Friedrich dem Großen (1712-1786), der lieber das beste Landheer Europas unterhalten wollte als die schlechteste Flotte unter den Seemächten.
Auch wenn die Zahl der deutschen Kleinstaaten schrumpfte und Brandenburg/Preußen die Schweden aus Deutschland vertrieben hatte und damit die deutsche Ostsee wieder frei war, befassten sich nur die Küstenländer und ehemaligen Hansestädte mit Seeschifffahrt und Seehandel. Eine deutsche Handelsflotte unter dem Schutz einer deutschen Marine gab es nicht. Die Schiffe, auf denen vorrangig norddeutsche Seeleute, Friesen, Mecklenburger und Pommern segelten, fuhren unter hanseatischer, niederländischer oder dänischer Flagge, wozu bis 1864 auch Altona als zweitgrößte dänische Stadt zählte. Sie fuhren zum Walfang und Robbenschlag ins Eismeer, mit Schiffen der Niederländischen Ostindien-Kompanie nach Batavia (Indonesien) oder auf dänischen und holländischen Handelsschiffen über die Ozeane, mitunter auch auf portugiesischen oder spanischen Seglern.
Nur englische Handelsschiffe mieden sie, nicht nur wegen der katastrophalen Zustände an Bord, sondern auch wegen der Gefahr, durch Press-Gangs auf britische Kriegsschiffe verschleppt zu werden, wenn englische Kapitäne sich so die Heuer einstecken wollten. Dies bedeutete für einfache Matrosen nicht nur der Brutalität der Kapitäne mit Auspeitschen und Kielholen rechtlos ausgeliefert zu sein, sondern fast immer auch den Tod, wobei die meisten an Krankheiten und nicht an Kriegshandlungen starben. Dass einzelne deutsche Seeleute gegen ihren Willen dennoch auf britischen Kriegsschiffen landeten, beweist eine vom Kommandanten William Bligh nach der Meuterei auf der „Bounty“ erstellte Liste. Unter den Meuterern befand sich auch Henry (Heinrich) Hilbrandt aus Hannover.
Wegen ihrer guten Ausbildung und nautischen Fähigkeiten waren friesische Seefahrer sehr gefragt, wurden erfolgreiche und wohlhabende Kapitäne, oft sogar auf eigenen Schiffen. Noch heute berichten die „Sprechenden Grabsteine“ auf Amrum, Föhr und Sylt vom abenteuerlichen Leben dieser Männer. Ebenso erinnern die vor ihren Häusern aufgestellten Walkiefer an den Reichtum, den der Walfang auf die friesischen Inseln brachte.
1848 - Demokraten gründen Deutschlands erste Kriegsflotte
In den deutschen Fürstentümern und Kleinstaaten gab es nur wenige Regenten, die sich für die Seefahrt und für die Belange einer deutschen Handelsflotte einsetzten. Niemand schützte deutsche Schiffe und Seeleute vor Seeräubern afrikanischer Küstenstaaten, die auf der Nordsee Schiffe plünderten. Niemand untersagte Dänemark, hohe Zollabgaben bei deutschen Schiffen zu verlangen, die durch die Meerenge am Öresund kreuzten. Niemand wehrte sich gegen England, das wichtige Fahrgebiete für deutsche Schiffe sperrte. Niemand kam Hamburg zu Hilfe, wenn dänische Fregatten die Zufahrt zur Elbe blockierten.
Erst die von liberalen und bürgerlich-demokratischen Kräften getragene 1848er Revolution kämpfte für den Schutz deutscher Handelsschiffe durch eine eigene Kriegsflotte. Am 18. Mai 1848 zogen Deutschlands erste frei gewählte Abgeordnete in die schwarz-rot-gold geschmückte Frankfurter Paulskirche ein. Diese demokratische Nationalversammlung beschloss schon vier Wochen später, am 14. Juni 1848, die Errichtung einer deutschen Reichsflotte und stellte dafür 6 Millionen Reichsthaler zur Verfügung.
Doch Deutschlands erste Kriegsflotte fuhr nur kurz unter schwarz-rot-goldener Flagge. Unter Führung Österreichs schlugen die deutschen Könige und Fürsten 1851 die 48er-Revolution nieder und lösten das erste Nationalparlament gewaltsam auf. Der „Deutsche Bund“, der 1815 nach den Befreiungskriegen und dem Sieg gegen Napoleon während des Wiener Kongresses entstanden war, bestimmte nun wieder die deutsche Politik. So verfügte der Bundestag 1852 die Auflösung der ersten deutschen Kriegsflotte und ließ deren Schiffe versteigern. – Wieder waren die deutsche Küste und die deutsche Seefahrt ohne Schutz.
Kampf gegen Dänemark
Doch dann änderte sich 1864 unerwartet die Welt an Elbe und deutscher Nordseeküste: In Dänemark hatten die „Eiderdänen“ die politische Macht übernommen und forderten eine Verschiebung der dänischen Staatsgrenze bis zur Eider. Sie kündigten den Ripener Vertrag von 1460, der festschrieb, dass Holstein und Schleswig „up ewig ungedeelt“ sein sollten und zwangen den neuen dänischen König Christian IX. zu einer Verfassungsänderung. In ihrem übersteigerten nationalistischen Wahn blockierten sie auch international alle diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung des Verfassungskonflikts und wurden dabei durch den dänischen Ministerpräsidenten Ditlev Gothard Monrad unterstützt, einen manisch-depressiv erkrankten ehemaligen Bischof.
Als Christian am 18. November 1863 die neue dänische Verfassung unterschrieb, die vertragswidrig Schleswig in den dänischen Gesamtstaat eingliederte und Schleswig-Holstein teilte, führte dies in Deutschland zu großer Empörung. Der Deutsche Bund, dem unter österreichischem Vorsitz 39 Königreiche, Fürstentümer und die Freien Städte Hamburg, Bremen, Lübeck und Frankfurt/Main angehörten, reagierte mit einer „Straf-Exekution“. Am 24. Dezember 1863 überschritten deutsche Truppen die Elbe und das dänische Heer zog sich kampflos aus Holstein hinter die Eider und auf den Verteidigungswall „Danewerk“ zurück.
Auch Altona, Dänemarks zweitgrößte Stadt, war vom dänischen Militär geräumt worden. Als danach die deutschen Bundestruppen einrückten, wurden sie von einem „ungeheuren Jubel der Bevölkerung“ begrüßt, wie die Zeitungen berichteten. Schwarz-rot-goldene und blau-weiß-rote Flaggen, die unter der dänischen Verwaltung streng verboten waren, schmückten nun Straßen und Häuser. Vor dem Altonaer Rathaus versammelte sich eine schnell anwachsende Menschenmenge, die tief bewegt „Nun danket alle Gott“ und „Schleswig-Holstein, meerumschlungen“ sang.
Der Abzug aller dänischen Truppen beendete auch eine über 200 Jahre bestehende Konkurrenz zwischen Hamburg und dem 1803 auf 24.000 Einwohner angewachsen Altona. Die dänischen Könige hatten Altona, das die Hamburger oft als „All to nah“ verfluchten, ab 1710 mit vielen Privilegien ausgestattet und aus ganz Europa freie Geister mit Ideen und Unternehmertum dorthin gelockt. Im Gegensatz zu Hamburg galt Altona als liberal, es herrschte Religionsfreiheit, in den Straßen Große und Kleine Freiheit konnten freie Handwerker ohne Zunftzwang arbeiten. Reeder und Fischer aus Blankenese und Altona konnten, im Gegensatz zu Hamburger Schiffen, sicher unter dem Dannebrog fahren, weil ihnen die dänische Flotte auf allen Meeren mächtigen Schutz bot.
Am 1. Februar 1864 begann der Deutsch-Dänische Krieg. Preußen befreite die Ostseite Schleswig-Holsteins und besiegte bei Düppel das dänische Heer. Österreich kämpfte auf der Westseite und befreite Sylt, Amrum und den deutschen Teil von Föhr. Nur die dänische Marine konnte ohne Gegenwehr alle deutschen Zugänge zur Nordsee sperren, weil die deutschen Staaten über keine kampfstarken Kriegsschiffe verfügten.
Das einzige Land, das als Mitglied des Deutschen Bundes über eine starke Flotte verfügte, war Österreich und so wurde die österreichische Marine angefordert. Nach neunwöchiger Anreise aus dem Mittelmeer, erreichte eine österreichische Vorhut die Nordsee, während die Hauptflotte erst nach dem Waffenstillstand eintraf. Am 9. Mai 1864 stellte sich der österreichische Kapitän Tegetthoff vor Helgoland mit zwei Schraubenfregatten und drei kleinen preußischen Kanonenbooten dem aus drei Schraubenfregatten bestehenden dänisches Geschwader zum Gefecht. 102 dänische Kanonen richteten sich gegen 50 durchschlagkräftigere alliierte Kanonen. Beide Flaggschiffe erhielten schwere Treffer, Österreich verzeichnete 37 Tote und 93 Verletzte, Dänemark 17 Tote und 52 Verletzte. Am Nachmittag wurde das Gefecht ohne Sieger abgebrochen.
Drei Tage später vereinbarten die Verbündeten Preußen und Österreich mit Dänemark einen Waffenstillstand. Im späteren Friedensvertrag verzichtete das besiegte Dänemark auf Schleswig, Holstein und Altona. – Zum ersten Mal in der langen Geschichte Hamburgs waren nun die Elbe und die Deutsche Bucht frei!
Deutschland wird zur späten Seemacht
Erst das 1871 gegründete Deutsche Kaiserreich förderte die Schifffahrt, betrieb weltweiten Handel, unterhielt Kolonien, baute die Handelsflotte aus und war neben England führend im Transport von Auswanderern in die USA, Kanada und Australien. Durch das Interesse der kaiserlichen Familie an der Seefahrt blickte auch die deutsche Bevölkerung nach Norden, an die Küste, in die Häfen und auf die Werften. Mit wachsender Begeisterung verfolgten Preußen, Bayern, Württemberger, Sachsen, Thüringer, Schlesier, Rheinländer und die vielen anderen Landsmannschaften die Berichte über die rasant wachsende Handelsflotte, deren Schiffe die deutsche Flagge auf allen Meeren zeigten. Zeitungen berichteten über Schiffsneubauten und bekannte deutsche Kapitäne. Unzählige Bücher erschienen über die Seefahrt, deutschlandweit sangen Männerchöre Lieder über die See und Abenteuerromane lockten in fremde Länder.
Nun wurde Deutschland zu einer Seefahrtsnation! Wozu andere seefahrende Länder Jahrhunderte benötigten, vollzog sich im Kaiserreich in fünfzig Jahren. Die Menschen zwischen Flensburg und Garmisch, zwischen Königsberg und Köln identifizierten sich mit der See und der Schifffahrt. Wie im Rausch lasen sie die Berichte, die von Korrespondenten aus deutschen und ausländischen Hafenstädten geschrieben wurden. Und es war nicht nur das Bürgertum, das sich begeisterte, auch die Arbeiter auf den Werften, in den Stahlwerken und an den Hochöfen waren stolz auf den Schiffbau, mit dem Deutschland weltweit zu den führenden Industrieländern aufgeschlossen hatte.
Im Binnenland entstand ein oft romantisierendes Bild über die Seefahrt, das aber meinungsbildend war, obwohl es den harten und körperlich fordernden Alltag an Bord ausblendete. Nicht selten büxten Jungs zu Hause aus, um zur See zu fahren, wie Felix Graf Luckner aus Halle an der Saale. Als er in Hamburg auf einem russischen Dreimaster bei einem recht zweifelhaften Kapitän anheuerte, war der 14-jährige Luckner ganz entsetzt, dass man in die Masten klettern musste, um die Segel zu bedienen. Auch hatte er sich von einer Speisekarte des Schnelldampfers „Fürst Bismarck“ locken lassen und ging davon aus, dass ein Smutje auf Segelschiffen ähnliche Gaumenfreuden servieren würde. Später erlangte Luckner dann im Ersten Weltkrieg als Kommandant des segelnden Blockadebrechers „Seeteufel“ weltweite Berühmtheit.
1890 begann das Kaiserreich mit dem Aufbau einer schlagkräftigen Kriegsmarine, deren mächtige Hochseeflotte zwanzig Jahre später den zweien Platz nach England und vor den USA einnahm. Besonders die Flottenbegeisterung von Wilhelm II., der 1888 Kaiser geworden war, und die Marine-Kampagne von Admiral von Tirpitz übertrug sich auf den überwiegenden Teil der deutschen Bevölkerung. Im ganzen Land gründeten sich Flottenvereine, das Bürgertum spendete großzügig für den Aufbau der Flotte, die Regierung erhob zur Finanzierung der Marine eine noch heute existierende Sektsteuer. Überall trugen Jungs Matrosenanzüge und Mädchen Matrosenkleider. Aus ganz Deutschland meldeten sich junge Männer, die bei der Marine dienen wollten, darunter auffallend viele Bayern. Auf den Werften entstanden moderne kampfstarke Kriegsschiffe, deren Bau einen Boom für den Schiffbau auslöste. Mit der Flottennovelle von 1912 stimmte der Reichstag einer Flottenstärke von 60 Großkampfschiffen zu, deren Bau 1920 abgeschlossen sein sollte.
England und Deutschland waren von 1880 bis 1914 die beiden führenden Seefahrtsnationen in Europa. Britische Reeder hatten früh mit dem Einsatz von Dampfschiffen begonnen, weil sie über billige Kohle und ein Weltreich mit Kolonien und gut ausgebauten Häfen verfügten, die ihre Dampfer anlaufen konnten, um überall Kohle zu bunkern. Dagegen vertraute Deutschland auf seine modernen und immer leistungsfähiger werdenden Großsegler, die auf der Langstrecke nach Australien oder um Kap Hoorn zur amerikanische Westküste den damaligen Dampfern weit überlegen waren. Sie fuhren wesentlich schneller und mussten zwischendurch keine Kohlen bunkern. Auch konnten sie mehr Ladung transportieren, weil sie keinen Stauraum an Maschine und Kohlenvorrat verloren. Zudem benötigten sie keine Heizer, Trimmer und Ingenieure.
Als deutsche Segler ab 1880 Salpeter aus Chile holten, wurde Hamburg zum bedeutendsten Segelschiffhafen Europas. Es begann die große Zeit der Viermastrahsegler. Mit dem Bau ihrer schnellen und stabilen Flying P-Liner aus genieteten Stahlplatten und Stahlmasten revolutionierte die Hamburger Reederei F. Laeisz den Segelschiffbau an Elbe und Weser. Die erste neue Viermastbark „Placilla“ fuhr im Frühjahr 1892 auf der Jungfernfahrt unter Kapitän Hilgendorf mit 58 Tagen auf der Strecke Lizard-Kap Hoorn-Valparaiso einen Rekord, der weltweit Beachtung fand. Im Herbst 1892 benötigte das Schwesternschiff „Pisagua“ unter Kapitän Johannes Früden 65 Tage. Nun stellten deutsche Windjammer immer neue Geschwindigkeitsrekorde auf und wurden von Kapitänen gefahren, deren Namen in den Hafenstädten von Europa, Nord- und Südamerika und Australien mit Bewunderung genannt wurden.
Auch die deutsche Passagierschifffahrt gewann weltweites Ansehen. Um seine Dampfer im Winter besser auszulasten, erfand Hapag-Direktor Albert Ballin die Kreuzfahrt und ließ 1891 die ersten Kreuzfahrtschiffe der Welt bauen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren deutsche Schiffe und Reeder überall anerkannt, Hapag und der Lloyd zu den weltweit größten Reedereien aufgestiegen und norddeutsche Werften hatten Weltgeltung. Unter deutscher Flagge fuhren nicht nur die schnellsten und besten Großsegler, sondern auch immer mehr Dampfschiffe, die in Abmessung und Maschinenleistung zu den größten ihrer Zeit zählten. Mit dem von 1910 bis 1912 gebauten „Imperator“, verfügte die Hamburger Reederei Hapag nicht nur über das damals größte Schiff der Welt, sondern auch über den luxuriösesten Passagierdampfer.
Ab 1897 hatte mit den auf deutschen Werften gebauten Dampfschiffen ein neues Zeitalter in der zivilen Schifffahrt begonnen, das die britische Vorherrschaft im Nordatlantik ablöste. Zehn Jahre gelang es britischen Reedern nicht, den deutschen Konkurrenten Norddeutscher Lloyd und Hapag das Blaue Band für die schnellste Fahrt von Europa nach New York abzujagen. 1897 holte die „Kaiser Wilhelm der Große“ erst auf Ostkurs und 1898 auf Westkurs mit 5 Tagen, 17 Stunden und 23 Minuten das Blaue Band. 1900 eroberte die HAPAG mit der „Deutschland“, dem damals größten Schiff der Welt, das Blaue Band, während 1902 mit der „Kronprinz Wilhelm“ und 1904 mit der „Kaiser Wilhelm II.“ der Norddeutsche Lloyd das Atlantik-Rennen gewann.
Erst als das britische Parlament mit einem Darlehen und jährlichen Subventionen Schiffsneubauten für die Cunard Linie förderte, holten die beiden Schwesternschiffe „Lusitania“ und „Mauretania“ das Blaue Band von 1907 bis 1929 nach England zurück. Beide Schiffe fuhren mit einem neuen Dampfturbinenantrieb 26 Knoten, was für die Heizer bedeutete, dass sie täglich 1000 Tonnen Kohle in die Kessel schaufeln mussten.
Im Sommer 1914 war Deutschland zur anerkannten Seemacht geworden. Aus der jahrhundertelang in vorwiegend einzelnen Binnenländern lebenden Bevölkerung, hatte sich eine Seefahrtsnation entwickelt. Die deutsche Wirtschaft war durch einen weltweiten Seehandel wohlhabend geworden, deutsche Reeder konnten ihre Schiffe unter deutscher Flagge auf alle Meere schicken, geschützt von einer starken Kriegsflotte. Auf deutschen Werften entstanden die modernsten und leistungsfähigsten Schiffe. – Deutschland war nach Großbritannien die Nr. 2 auf den Weltmeeren.
Krieg, Verlust aller Schiffe und Neubeginn
Aber dann brach im August 1914 der Erste Weltkrieg aus und vernichtete die weltweit agierende deutsche Handelsflotte: 299 Handelsschiffe wurden in britischen oder nicht neutralen Auslandshäfen sofort beschlagnahmt, 88 Schiffe auf See gekapert. Als die USA, Lateinamerika und Italien ihre Neutralität aufgaben, verlor allein die Hapag 95 Schiffe. Alle weiteren im Ausland liegenden Handelsschiffe wurden enteignet. Und als der Krieg endete, mussten auch alle noch in deutschen Häfen verbliebenen Fracht- und Passagierschiffe an England und die weiteren Siegermächte übergeben werden.
England verlangte auch die vollständige Übergabe der deutschen Kriegsflotte. Am 21. Juni 1919 ankerten deshalb 24 deutsche Schlachtschiffe und 50 Torpedoboote vor dem britischen Kriegshafen Scapa Flow, als die deutsche Admiralität den Befehl zur Selbstversenkung der gesamten Flotte gab. Die überraschte Royal Navy, die bereits mit einer enormen Vergrößerung ihrer Flotte gerechnet hatte, eröffnete voller Wut das Feuer auf wehrlose deutsche Soldaten und tötete einen Offizier und acht Matrosen und verletzte fünf Matrosen. Dennoch empfand die deutsche Bevölkerung die Selbstzerstörung der einst so stolzen kaiserlichen Flotte als traurigen Sieg.
Der verlorene Weltkrieg mit dem als ungerecht empfundenen Versailler-Vertrag und den unerfüllbaren Reparationsforderungen der Siegermächte in Höhe von 132 Milliarden Goldmark = 47.000 Tonnen Gold führten zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft und in vielen Familien zu Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend. Politisch war mit der neuen Weimarer Verfassung, einem gewählten Parlament und demokratisch legitimierten Regierungen zwar ein Neuanfang gelungen, den jedoch Extremisten von rechts und links mit Revolten, politischen Morden und Straßenkämpfen gefährdeten. Und trotzdem gelang 1923 durch die Einführung der Rentenmark, der späteren Reichsmark, ein wirtschaftlicher Neuanfang.
Wieder wurden modernste Schiffe gebaut, wieder nahm Deutschland erfolgreich am Welthandel teil und wieder holte sich der Norddeutsche Lloyd mit seinen Passagierschiffen auf der Atlantikroute nach New York das „Blaue Band“: 1929 mit dem Turbinendampfer „Bremen“ und 1930 mit dessen Schwesterschiff „Europa“ in einer Zeit von 4 Tagen, 14 Stunden und 30 Minuten. Zur gleichen Zeit überquerte das deutsche Luftschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“ den Atlantik und benötigte bis New York mit 20 Passagieren und 40 Besatzungsmitgliedern 111 Stunden und 44 Minuten.
Doch dann löste am 24. Oktober 1929 ein Börsencrash an der New Yorker Börse einen Zusammenbruch der Weltwirtschaft aus, der als „Schwarzer Freitag“ auch Europa destabilisierte. Weltweit gingen Unternehmen in Konkurs, Börsenhändler begingen Selbstmord, Banken wurden zahlungsunfähig. In den USA führte er zur „Great Depression“, die bis 1941 reichte, in Deutschland zum völligen Niedergang der aufstrebenden Wirtschaft, die zehn Jahre nach der Niederlage und den extremen Reparationsforderungen der Siegermächte gerade wieder Tritt gefasst hatte. Für die deutsche Schifffahrt entwickelte sich die internationale Wirtschaftskrise zum Desaster. Die Frachtmengen sanken, die Raten stürzten ab, immer mehr Reeder mussten ihre Schiffe auflegen, Seeleute entlassen und Werftaufträge stornieren.
Als Hitler dann 1933 mit seinen Nationalsozialisten die Reichsregierung übernahm, führte er nach einer kurzen Scheinblüte Deutschland 1939 in die Kataststrophe des Zweiten Weltkrieges mit etwa 66 Millionen Kriegstoten, schwersten NS-Gewaltverbrechen, dem Holocaust, Massenmorden in beispiellosem Ausmaß und der Zerstörung weiter Teile Europas.
Zerstörte Häfen, keine Schiffe und ein Neuanfang
Im nun klein gewordenen Westdeutschland waren alle Häfen zerbombt, die Schiffe entweder enteignet oder gesunken, die Kriegsmarine aufgelöst. Und doch gelang den Menschen der Bundesrepublik inmitten von Ruinen und Trümmern, Hunger und Not, mit zehntausenden Flüchtlingen und entwurzelten Vertriebenen aus dem Osten ein Neuanfang. Mit wachsender Zuversicht verfolgten die Bundesbürger wie nach dem verlorenen Krieg das internationale Vertrauen in das neue demokratische Deutschland wuchs, wie Handelsbeschränkungen fielen und deutsche Waren wieder gekauft wurden. Mit den ansteigenden Exporten wuchs auch der deutsche Seehandel, Schiffe unter schwarz-rot-goldener Flagge befuhren wieder die Weltmeere mit deutschen Kapitänen und Besatzungen. Der traumatisierten Bevölkerung gelang das „Wirtschaftswunder“!
Aus bescheidensten Anfängen entwickelte sich nun zum dritten Mal eine eigene Handelsflotte. Zuerst vergaben ausländische Reeder Neubauaufträge an deutsche Werften, dann folgten deutsche Reeder, deren Schiffe immer größer wurden. 1954 stand die Hamburger Deutsche Werft in der Rangliste aller Handelsschiffswerften weltweit an erster Stelle und sogar Bundespräsident Theodor Heuss kam nach Finkenwerder, um persönlich zu gratulieren.
Im Januar 1956 begann der Aufbau der Bundesmarine, die nun seit 70 Jahren fest verankert in der NATO ihren Dienst versieht und die jetzt wachsende Aufgaben zum Schutz der freien Schifffahrt zu erfüllen hat. Am 23. August 1957 übergab Blohm + Voss eine neu gebaute „Gorch Fock II“ als Ausbildungsschiff an die Marine und damit hat Deutschland wieder einen Großsegler als weltweiten Botschafter.
Trotz zweier verlorener Kriege, entsetzlicher politischer Verirrungen und harter Brüche und trotz aller wirtschaftlichen Katastrophen, hat sich die Liebe der deutschen Bevölkerung zum Meer, zur Küste und zu den Häfen erhalten. Aus dem einstigen Staatenbund von Binnenländern entstand ein besonders inniges Verhältnis der Deutschen zur See und zur Seeschifffahrt. War es zuerst nur das jahrhundertealte Wissen und Können der norddeutschen Küstenbewohner, die über Generationen mit der See und der Schifffahrt verbunden waren, so entwickelte sich vor 150 Jahren das gesamte Deutschland zu einer Seefahrtsnation.
In eigenen Traditionen verankert, mit klarem Blick nach vorn und gesundem hanseatischen Selbstbewusstsein wird Hamburg, als internationaler Sitz der meisten Reedereien, seine internationale Bedeutung erhalten und auf lange Sicht das Zentrum der deutschen Schifffahrt und des deutschen Seehandels bleiben. Und die demokratische Bundesrepublik wird in einer sich immer schneller wandelnden Welt auch in Zukunft seine starke Stellung im maritimen Europa erhalten.
Irland 2025
Jorker Bürgerpreis 2024
- Im Folgenden die Laudation, gehalten vom Bürgermeister Matthias Riel. Der Text ist im Wesentlichen ungekürzt und wird mit freundlichem Einverständnis des Laudators an dieser Stelle veröffentlicht.
Sehr geehrte Damen und Herren,
kommen wir nun … zur Lüftung eines der am besten gehüteten Geheimnisse der letzten Monate. Und ich bin gespannt, wie weit ich die Spannung noch aufrechterhalten kann.
Unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat einmal gesagt: „Ehrenamt macht den Unterschied zwischen Nebeneinander und Miteinander. Wer sich für andere engagiert, der entscheidet sich jeden Tag neu fürs Miteinander.“
Und damit verbindet ehrenamtliches Engagement Menschen und überwindet Grenzen, in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Ehrenamt kann Gemeinschaft und macht unsere Gesellschaft stärker und ist das Rückgrat unserer Gesellschaft.
Und wenn wir die Stärke unserer Gemeinde Jork bewerten wollen, wie gehen wir da üblicherweise vor, sehr verehrte Gäste? Gemessen wird dies regelmäßig anhand von Wirtschaftszahlen, der Gesetzgeber verlangt von uns haushaltswirtschaftliche Messgrößen nach einem riesigen Kennzahlenkatalog. Das kann aber längst nicht alles sein.
Zur Stärke einer Gemeinde gehört aber auch – und vor allem – das gesellschaftliche Klima und wie wir miteinander umgehen. Für den Zusammenhalt ist das freiwillige Engagement der Menschen bedeutsam und damit ist unser Miteinander vor Ort wahrscheinlich die wichtigste Größe überhaupt.
Und das sehen auch wir im Jorker Gemeinderat genauso und bringen diese Überzeugung dadurch zum Ausdruck, dass wir Menschen ehren, die für die Gemeinschaft handeln, dass wir Menschen, die Bedeutsames leisten, hohe Auszeichnungen verleihen.
Die höchste Auszeichnung, die größte Anerkennung, die unsere Gemeinde zu vergeben hat und ein Zeichen besonderer Wertschätzung, sehr verehrte Gäste, ist unser Bürgerpreis – in Form der Ehrenmedaille der Gemeinde Jork.
Wie wertvoll die Auszeichnung ist, sehen wir nicht zuletzt daran, dass diese Verleihung nur einmal jährlich traditionell als Abschluss der Lessing-Gespräche erfolgt und dass meistens auch nur ein Bürgerpreis verliehen wird.
Und genau das machen wir heute nicht so. Denn wir verleihen zwei Bürgerpreise an zwei Menschen, die sich um die gleiche Sache verdient gemacht haben und sich gleichermaßen für unsere gesellschaftliche Stärke in der Gemeinde Jork einsetzen.
Eine Laudatio zu halten, wie ich es jetzt tun darf, gehört ganz bestimmt zu den schönsten Aufgaben eines Bürgermeisters. Darf man doch Menschen aus dem eigenen Umkreis würdigen und herausragendes Handeln zu Recht ins Licht der Öffentlichkeit rücken.
Die Gemeinde verleiht den Bürgerpreis der Gemeinde Jork, meine sehr verehrten Damen und Herren, an Persönlichkeiten, die sich durch vorbildliches, bürgerschaftliches Verhalten u.a. auf sozialem, kulturellem oder sportlichem Gebiet ehrenamtlich verdient gemacht haben – so ein Auszug aus der Ehrungsrichtlinie der Gemeinde Jork.
Unser Gemeinderat hat die heutigen Bürgerpreisverleihungen in seiner nichtöffentlichen Sitzung am 18. September 2024 beschlossen. Und zwar einstimmig.
Bei der diesjährigen Preisverleihung steht wieder die Kultur im Mittelpunkt – und wir ehren zwei Mitbürger, die sich über Jahrzehnte hinweg mit großem Herzen und unvergleichlichem Einsatz für unsere Kultur engagieren und immer noch nicht lockerlassen.
„Gutes tun mit Spaß“ – das ist und bleibt das Motto unserer beiden Bürgerpreisträger – und das seit dem 17. November 1981, also seit fast 43 Jahren. Dann ging es nämlich los mit der Gründung einer bemerkenswerten kulturellen Vereinigung. Einer unser Bürgerpreisträger wurde der Vorsitzende, der andere gehörte zu den ersten Mitgliedern und wurde als Moderator ausgeguckt, der mit seiner authentischen Ansprache das Publikum in seinen Bann zieht.
1981 saß man beim gepflegten Bier, ich vermute eher bei gepflegten Bieren, in geselliger Runde zusammen und je später der Abend wurde, desto seltsamer wurden die Gesprächsthemen und die Ideenvielfalt. In vorgerückter Stunde stellte man fest: Wir haben im Alten Land Kneipen, wir haben die Elbe als großen Strom mit den Leuchttürmen, die seit langer Zeit den Schiffen den Weg weisen, wir haben Reeder, die von hier ihre Schiffe um die Welt schicken, wir haben eine Seefahrtsschule und überall trifft man auf Seeleute und Freunde der Seefahrt. Aber zu ganz später Stunde und nach entsprechend vielen Bieren stellte man fest, dass im Alten Land noch etwas ganz Wichtiges fehlte.
Man machte sich auf den Weg und gründete kurzerhand unseren kulturellen Botschafter des Alten Landes, man gründete den Altländer Shanty Chor e.V.
Das war es dann auch mit dem Versuch des Spannungsbogens heute.
Denn unsere beiden diesjährigen Bürgerpreise gehen an die Gründungsväter, die Gesichter, die maßgeblichen Initiatoren, festen Größen sowie die unverwüstlichen Felsen in der Brandung des Altländer Shanty-Chors, und das ununterbrochen seit fast 43 Jahren.
Sehr geehrte Damen und Herren, im Namen der Gemeinde Jork gratuliere ich ganz herzlich unseren Bürgerpreisträgern 2024, Uwe Richters und Günter Gröbel. Lieber Uwe und Lieber Günter, ganz herzlichen Glückwunsch Euch beiden zu dieser Auszeichnung.
Vor über 42 Jahren hattet Ihr die Vision und den Mut, unseren Altländer Shanty-Chor ins Leben zu rufen. Was damals als Idee begann, hat sich über die Jahre zu einer festen kulturellen Institution entwickelt, die weit über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus bekannt ist und geschätzt wird. Die Lieder des Chors, die Geschichten, die sie erzählen, und die Stimmung, die sie verbreiten, nehmen uns jedes Mal auf eine Reise mit – eine Reise auf die rauen Seewege, zu den Klängen und Traditionen der Seefahrt.
Lieber Uwe Richters, Du hast in Deiner 42jährigen Amtszeit als Vorsitzender den Altländer Shanty-Chor zu einer norddeutschen Marke gemacht. Authentisch, fröhlich, stimmungsvoll und mit Herz singt der Chor Shantys und Seasongs, begleitet von Akkordeons, Gitarren, Mundharmonika, Whistles und Percussions. Stets wird er kräftig unterstützt von einem Publikum, das oft begeistert mitsingt.
Die Entwicklung des Chors trägt Uwes Handschrift: Mit über 3000 Auftritten bei Hafengeburtstagen, Festivals, Schiffstaufen, Shantytreffen, Hafenkonzerten von NDR und Radio Bremen, der „aktuellen Schaubude“, im WDR, dem Sonntagskonzert des ZDF, der „Hitparade der Volksmusik“ und dem Tag der Niedersachsen wurden die Sänger aus dem Alten Land immer bekannter. Nicht zu vergessen ist das traditionelle vom Chor selbst ausgerichtete Shanty-Festival, das in diesem Sommer erstmals in der Jorker Festhalle stattfand. Und auch die vielen CD-Publikationen, ich meine es gibt neun Veröffentlichungen, sprechen für die unverwechselbare Erfolgsgeschichte des Chors.
Und Uwe Richters sorgte dafür, dass der Chor in Kirchen, Krankenhäusern, Seniorenheimen, Behindertenheimen, Seemannsmissionen und Kindergärten sang, an Wohltätigkeitskonzerten mit der Marine teilnahm, die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger unterstützte und Ukraine-Helfer eine Spende erhielten.
Es gibt kein deutsches Bundesland, in dem der Shantychor nicht aufgetreten ist, oft vertrat er, gemeinsam mit unserer Blütenkönigin, das Alte Land in offizieller Mission.
Gemeinsam mit dem aktiven Vorstand hat Uwe Richters dem Chor auch internationale Türen geöffnet und so den Chor zum musikalischen Botschafter des Alten Landes gemacht. Auftritte in Norwegen, den Niederlanden, der Schweiz, Großbritannien, Kanada und, als Höhepunkt, die Teilnahme an der Steuben-Parade in den USA.
Das war und ist, lieber Uwe, eine unfassbar engagierte Leistung für Deinen Chor, für die Gemeinde Jork und das gesamte Alte Land. Vielen Dank für Deine unermüdliche Tatkraft. Du hast erreicht, dass Dein Chor seine Wurzeln stärkt und gleichzeitig immer neue Impulse findet. Und das geht weit über das Musikalische hinaus.
Und immer an vorderster Stelle als echtes Markenzeichen dabei war und ist, sehr verehrte Gäste, Günter Gröbel:
Um Shantys glaubwürdig zu präsentieren und Döntjes über die Seefahrt überzeugend vorzutragen, muss man schon die Weltmeere befahren haben, Schiffe, Häfen und Seeleute kennen und dazu noch schnacken können. Günter Gröbel ist Steuermann und Kapitän, weiß also genau wovon er spricht; „Uns Kaptein“ – so wird er im Chor genannt.
Wenn Günter Gröbel auf der Bühne über Stürme und aufs Deck krachende Brecher spricht und erzählt, wie ein Schiff sich durch einen Orkan kämpft, dann ist das Publikum mit an Bord. Und wenn er von den Nöten der Fischer berichtet, die harte Arbeit an Bord beschreibt oder über Freuden und Sehnsüchte der Seeleute spricht, dann wird ihm genau zugehört. Wenn er von der Rettung Schiffbrüchiger spricht, dann wird es still und wenn er von der Reeperbahn erzählt, zeigt sich sein Talent als Entertainer.
Engagiert berichtet Günter von den Entstehungsgeschichten der Shantys. In seine Moderationen verpackt er sein seemännisches Wissen, die ernsten und lustigen Erlebnisse und erzählt auf platt und hochdeutsch seine Döntjes.
Ich wette, dass fast jeder hier im Raum schon mal unseren Shanty-Chor live erleben konnte. Und wenn Günter Gröbel mit seiner Moderation beginnt, kann jeder von uns die raue See und die Stimmung an Bord förmlich spüren. Und genau deshalb bist Du lieber Günter, nicht nur der 1. Shantyman und Sänger, sondern das waschechte und authentische Markenzeichen Deines Chores.
Als „Verteller“ oder „Sabbelbüdel“ ist er zum anerkannten Werbeträger des Alten Landes geworden, der den Chor im In- und Ausland sympathisch, fröhlich und unterhaltsam präsentiert.
Mit Deiner Leidenschaft schaffst Du es, lieber Günter, die Lieder mit Leben zu füllen und das Publikum in den Bann der Seefahrt zu ziehen. Du bist es, der mit seinem Charisma die Seele des Chors verkörpert und ihn für uns alle unvergesslich macht. Auch Dir, lieber Günter, gilt für dieses großartige und langjährige Engagement unser Dank und unsere Anerkennung.
Unser Bürgerpreis 2024 wird somit zwei Männern verleihen, die unser kulturelles Leben bereichert und mitgeprägt haben. Beide haben über all die Jahre hinweg eine außergewöhnliche Ausdauer und einen bewundernswerten Gemeinschaftssinn bewiesen. Sie haben Generationen von Menschen für die Shanty-Musik und die Traditionen der Seefahrt begeistert. Durch ihren unermüdlichen Einsatz und ihre Liebe zur Musik haben sie Brücken geschlagen und unseren Zusammenhalt gestärkt.
Sehr verehrte Gäste, jede Leistung verdient Anerkennung. Das gilt umso mehr für Leistungen wie bei Euch, lieber Uwe und lieber Günter, die freiwillig erbracht werden und keine persönlichen Vorteile bringen. Ich weiß, Ihr haltet Euer Tun zwar für selbstverständlich. Aber selbstverständlich ist es nicht. Und deshalb ist es das Mindeste, Dankeschön zu sagen, für die Zeit, Kraft und Energie, die Ihr für Euren Chor aufwendet. Der Altländer Shanty Chor ist nicht nur Euer Hobby, er ist Eure große Leidenschaft.
Da bei dieser intensiven Leidenschaft für andere Interessen nur wenig Raum bleibt, möchte ich auch Euren Ehefrauen danken, die heute anwesend sind und die Euer zeitaufwändiges Ehrenamt mittragen und Euch damit eine wichtige Unterstützung gewähren.
Lieber Uwe, lieber Günter, Euer Engagement, Eure Motivation, Eure Zielstrebigkeit und Eure Kreativität wird heute mit dem Bürgerpreis des Jahres 2024 belohnt. Wir alle und auch die Mitbürgerinnen und Mitbürger unserer Gemeinde verneigen uns heute vor Euren Leistungen und vor Euren Verdiensten.
Ihr seid ein echtes Vorbild für das Ehrenamt. Ihr seid ein leuchtendes Beispiel dafür, was es heißt, eine Gemeinschaft zu bereichern und das kulturelle Erbe lebendig zu halten.
Ich gratuliere nochmals ganz herzlich.
- Jork, den 09. November 2024
Matthias Riel
(Bürgermeister)
Die Gründungsmitglieder und Ex-Vorstände Uwe Richters und Günter Gröbel wurden am 09. November mit dem Bürgerpreis 2024 der Gemeinde Jork durch den Bürgermeister Matthias Riel ausgezeichnet.

Ausfahrt nach Rodenbach
Shantys in der Pfalz
Was verbindet eine kleine Ortsgemeinde Rodenbach in der Westpfalz (mit ca. 3.300 Einwohnern) mit einem Shanty-Chor aus dem Alten Land? Natürlich, persönliche Beziehungen. Unser Mitglied Jürgen Müller stammt aus der Pfalz, bevor es ihn in den Norden verschlagen hat – und Shantyman ist er seit 2016. Jürgen hatte die Idee, ein Shanty-Konzert auf dem lokalen Flammkuchenfest auszurichten.
Nach langen, mehrmonatigen organisatorischen Abstimmungen war es jetzt im September 2024 so weit: der Chor ging auf Fahrt in die Pfalz.
Die Kurzfassung der Reise: Jürgen hat vor Ort mehrere Auftritte arrangiert, ebenso auf dem Flammkuchenfest der Freiwilligen Feuerwehr Rodenbach. Als Krönung sang der Chor noch zwei Lieder unter Tage im Kalkbergwerk am Königsberg in Bergmannskluft.
Ergiebiger als diese interne Kurzfassung ist ein Blick von außen auf die Ereignisse, veröffentlicht im Amtsblatt der Verbandsgemeinde Weilerbach (unten ungekürzt wiedergegeben)
„Der Altländer Shanty-Chor unternahm in der vergangenen Woche eine mehrtägige Chorausfahrt in die Verbandsgemeinde Weilerbach. Organisiert wurde die Fahrt durch Jürgen Müller, einem Roderbacher Bürger und langjährigen Feuerwehrangehörigen, den es vor ein paar Jahren gen Norden zog.
Bereits am Freitag 13.09. fand ein spontanes Konzert auf dem Weilerbacher Dorfplatz statt. Hier wurden neben den musikalischen Darbietungen insbesondere die lustigen Erklärungen hinsichtlich des Bezugs der Texte zur Schifffahrt bewundert.
Nach einer Pfalzrundfahrt und Besuch des Wolfsteiner Bergwerks gab es am Samstag 14.09. ein Konzert im Bürgerhaus Rodenbach. „Eintritt frei, nur der Hut geht rum“ war das Motto, das über 100 Besucher in das Bürgerhaus zog. Zwei Stunden waren die Besucher hellauf begeistert von den Liedern der Seefahrt und der Meere. Der „Heimathafen“ des Chors ist das „Alte Land“, zwischen Stade und Hamburg am südlichen Elbstrand.
Die Feuerwehr Rodenbach lud nach dem Konzert zum Flammkuchenfest ein und versorgte die hungrigen Sänger mit Flammkuchen. Besonders genossen die Nordlichter den Pfälzer Wein. Die Gäste des Flammkuchenfestes erfreute es ebenfalls sehr, dass auch hier einige Lieder spontan gesungen wurden und der Chor somit zu einem tollen Program auf dem Fest beitrug.
Besonders das Lied „Retter in der Not“ begeisterte. Hierbei wurden auch im Namen der bekannten Band „Santiano“ Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger gesammelt.
Der Rodenbacher Ortsbürgermeister Markus Schick und Bürgermeister Ralf Schwarm begrüßten den Chor, waren gerne Gäste der Konzerte und verabschiedeten ebenfalls die Sänger auf einen guten Nachhauseweg.
Alles in allem trug der Shanty-Chor viel zur Begeisterung der Bürger bei – zum anderen genossen sie unsere schöne Pfalz.“
Dieter Bobzin / Heinz Raap
- Jork, September 2024

Das 12. Shanty-Festival (2024)
Seit 2023 agiert der Chor unter dem neuen Vorstand und natürlich haben wir uns vorgenommen in guter alter Tradition weiterzumachen – und dazu gehört auch die Ausrichtung unseres Shanty-Festivals (normalerweise alle 2 Jahre, nur Corona hat uns 2021 ausgebremst).
Also haben wir alle Kräfte mobilisiert, haben geplant und umgeplant, organisiert und improvisiert. Haben uns an einen neuen Veranstaltungsort herangetraut, haben alte und neue Sponsoren um Mithilfe gebeten, haben die Broschüre neu aufgelegt – und noch vieles, vieles mehr.
Überraschungen gab es bei Einladungen an Gastchöre: leider mussten wir feststellen, dass einige Chöre, mit denen wir über lange Jahre freundschaftlich verbunden waren, die Corona-Zeit nicht überstanden hatten und den Chorbetrieb einstellen mussten. Leider kein Einzelfall!
Nach dem Festival kommt natürlich eine Phase der Besinnung und der Reflexion: war alles so gut wie es gelaufen ist? Hat alles gepasst? War das Publikum zufrieden? Welche Fehler sind vorgekommen usw.?
Nun ist es natürlich schwierig und nicht angemessen, sich selbst ein Zeugnis für die geleistete Arbeit auszustellen. Natürlich haben wir aus dem Publikum und von den teilnehmenden Gastchören teilweise eine Rückmeldung erhalten, diese jedoch nicht systematisch erfasst und ausgewertet. Nach unserem Eindruck ist der Ablauf des Festivals als „positiv“ aufgenommen worden.
Stellvertretend möchte ich hier ein feed back eines Gastchores ungekürzt wiedergeben, das uns über facebook erreicht hat:
Im Namen aller Teilnehmer der „Alstermöwen“ am gestrigen Samstag, möchte ich mich auf diesem Wege nochmals ganz herzlich für Eure Einladung und Betreuung während der Veranstaltung bedanken! Bei diesem Treffen kamen bei uns allen wieder die Erinnerungen an unsere Treffen in der TriBühne Norderstedt, in Stade sowie in Grünendeich hoch. Es hat uns bei Euch an nichts gefehlt! Wir sind auch sehr zufrieden und dankbar für das großartige Publikum gewesen. Besondere Anerkennung zollen wir Euch dafür, dass Ihr in der heutigen Zeit, unter teilweise erschwerten Bedingungen solch ein tolles Treffen organisiert und durchgeführt habt! Allzu gerne würden wir uns über eine erneute Einladung freuen, sie hätte in unserer Planung immer oberste Priorität! Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg, Spaß und Freude bei den kommenden Auftritten, bleibt vor allem gesund
Vielen Dank für dieses feed back. Unser Fazit: so können wir weitermachen!
Heinz Raap
- Jork, Juli 2024
Schiffe, Fisch und Shantys – Emden hatte eingeladen zu den 33. Matjestagen
Im Rahmenprogramm war ein Traditionsschifftreffen organisiert, ebenso ein Freundschaftstreffen der Shantychöre DE/NL. Der Altländer Shanty-Chor war erstmals von dem Veranstalter zu diesem Festival eingeladen. Erwartungsvoll starteten wir frühmorgens mit dem Bus die Fahrt nach Emden. Vor uns lagen zwei Auftritte auf sehr unterschiedlichen Bühnen.
Professionelle Bühne und Technik
Auf der Großbühne am Hafentor durften wir den Tag für die Besucher eröffnen. Diese Bühne wurde sehr professionell von der Technik vor Ort betrieben und hat es uns sehr einfach gemacht, unser Programm so darzubieten, dass den Besuchern ein optimales Klangerlebnis geboten werden konnte.
Die Bühne für den zweiten Auftritt war für uns ein kleines Abenteuer, sie war von den Platzverhältnissen so ziemlich das Gegenteil zu der Hafentor-Bühne. Dazu muss man wissen, wir waren mit 35 Sängern und Musikern (für uns eine Standardgröße) angereist. Die Bühne war vorgesehen auf einem Traditionsschiff, auf einer Tjalk, mit einer Größe von ca. drei Quadratmetern. Es hat einige Zeit gedauert bis wir einig waren mit den Technikern vor Ort, wie alles unterzubringen wäre – aber es hat weitestgehend geklappt.
Zu der Tjalk muss man wissen, das Schiff ist vor allem eines: FLACH (sowohl unterhalb als auch oberhalb der Wasserlinie). Da zudem eine Persenning gespannt war, hat diese den verfügbaren Platz „nach oben“ noch weiter eingeschränkt. Folge war, dass einige der Sänger den Auftritt in halb gebückter Haltung absolvieren mussten.
Aber: wir haben dieses Abenteuer alle schadlos überstanden und kommen gerne wieder!
Heinz Raap
- Jork, 4. Juni 2024

Cover der CD, Foto: Altländer Shanty-Chor, Michael Bunge
CD-Nummer 9 von den Shantys
Die neueste CD des Altländer Shanty-Chors ist da, Titel: Keep Hauling. Eigentlich sollte diese CD zum 40. Chorjubiläum im Jahre 2021 erscheinen. Alle Vorbereitungen liefen seit 2020 – und dann kam Corona mit allen bekannten Einschränkungen (Maske tragen, Übungs- und Auftrittsverbote, Abstandsregeln, wiederholte Neustarts …). Der Herstellprozess hat sich somit über nahezu 4 Jahre hingezogen.
Aber jetzt ist es geschafft. Insgesamt wurden vom Chor unter der Leitung von Michael Bunge 19 Titel eingespielt. Auf ein kommerzielles Tonstudio wurde bewusst verzichtet, die Aufnahmetechnik wurde von „Laien“ bedient. Der Zeitaufwand war dadurch größer, jedoch der Klang insgesamt ausgewogener.
Als Novum ist ein Titel auf der CD enthalten, der mit dem klassischen Shanty eigentlich nichts zu tun hat. Musik und Text von „Nie wieder“ stammen von unserem Gitarristen Reiner Hettkamp. Hier wird der Corona-Frust in Gänze sichtbar und man kann wirklich nur hoffen, dass so etwas nie wieder passiert.
Auf einer Veranstaltung am 24. November 2023 ab 19 Uhr wird der Chor diese neueste CD der Öffentlichkeit präsentieren. Veranstaltungsort ist der Übungsraum des Chors in Steinkirchen, Alter Marktplatz 12 (Klugscher Saal), Gäste sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Der Chor wird ausgewählte Lieder der CD singen und es werden Filmaufnahmen vom Einspielen gezeigt.
Bestellt werden kann diese neue CD – und auch alle Übrigen – bei Harald Reiche (Mobil: 0176 9660 7751, eMail: hreiche@arcor.de, Einzelpreis 12 EUR)
- Jork, 12. November 2023
Anforderungen – Programm – Flexibilität
Unterschiedlicher können die Veranstaltungen kaum sein – innerhalb von 6 Tagen ein Konzertabend unter dem Titel Celtic Folk Evening und ein Shantychor-Festival in Stade – der Altländer Shanty-Chor war gefordert.
An einem Sonntag im Oktober gab es mehrere Premieren in Jork bei dem Konzertabend: das Veranstaltungsmanagement der Gemeinde Jork und die Konzeptentwicklung von Anna Krüger hatte mehrere Gruppen erstmals zusammengeführt – die Lübecker Folkband Vinterfolk, die HNT Irish Dance Academy und den Altländer Shanty-Chor. Für den Shanty-Chor war das der erste Auftritt in der Festhalle Jork nach deren Umgestaltung.
Vor nahezu ausverkauftem Haus wurde ein buntes Programm aus keltischer Musik und irischem Tanz über fast zweieinhalb Stunden dargeboten. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer der Dance Academy bekamen mehrmals Applaus während ihrer Darbietung. Der Shanty-Chor sang bekannte und, passend zum Motto des Abends, für ihn neue irische und schottische Lieder. Die fünfköpfige Folkband, allesamt Studenten an der Musikhochschule in Lübeck, spielten irische Weisen, die man nicht alltäglich zu hören bekommt. Dafür ernteten sie vom Publikum viel Applaus.
Am Ende des Abends wurden alle Akteure vom Publikum mit langanhaltendem und stehendem Applaus verabschiedet. Thank you Anna, let´s do it again!
Ganz anders die Randbedingungen einige Tage später in Stade: eine typische Outdoor-Festival-Atmosphäre bei Herbstwetter mit stürmischem Wind, Regenschauer und blauem Himmel. Eine Herausforderung für den Veranstalter, die Bühnentechnik und natürlich auch die angereisten Shanty-Chöre und das Publikum. Aber trotz der äußeren Bedingungen: gute Darbietungen der Chöre trafen auf ein gut gelauntes und interessiertes Publikum. Damit war der Grundstein gelegt für eine gelungene Veranstaltung. / Heinz Raap
- Jork, 16. Oktober 2023
US-Kreuzfahrer vom Shanty-Chor begrüßt
Ein amerikanischer Kreuzliner besucht Hamburg auf seinem Europa-Trip. Als WELCOM für die Gäste gleich nach der Ankunft hat die Reederei den Altländer Shanty-Chor für ein Konzert engagiert.
Die unter der Flagge der Bahamas fahrende Star Legend ist ein kleineres Kreuzfahrschiff (vermessen mit ca. 13.000 Bruttoregistertonnen BRT) für 312 Passagiere. Auf Grund seiner Größe kann es Häfen anlaufen, die für die heute üblichen „Kreuzfahrtriesen“ nicht erreichbar sind. Beispielsweise in der Woche, bevor Hamburg angelaufen wurde, war das Schiff zu Gast in DK-Aalborg, in Kopenhagen, Binz auf Rügen, Wismar und Travemünde. Weiter ging die Reise in die Niederlande und nach Frankreich.
Das Schiff wurde 1992 in Dienst gestellt und trug ursprünglich den Namen Royal Viking Queen.
Zur Geschichte (Quelle: Wikipedia): die Royal Viking Queen wurde am 26. April 1990 unter der Baunummer 1071 bei Schichau Seebeck in Bremerhaven auf Kiel gelegt und im Mai 1991 vom Stapel gelassen. Sie sollte für Seabourn Cruise Line in Fahrt kommen, dies scheiterte jedoch an den Kosten. Deshalb übernahm die Royal Viking Line das Schiff am 29. Februar 1992 und setzte es für Kreuzfahrten in der Karibik ein.
Von 1995 an trug das Schiff für kurze Zeit den Namen Queen Odyssey, ehe es im Januar 1996 schließlich als Seabourn Legend an die Seabourn Cruise Line verkauft wurde. 1997 erlangte das Schiff große Bekanntheit als Dreh- und Handlungsort des Actionfilms Speed 2 – Cruise Control mit Sandra Bullock, Jason Patric und Willem Dafoe in den Hauptrollen.
Nach fast zwanzig Jahren im Dienst für Seabourn wurde die Seabourn Legend 2013 an Windstar Cruises verkauft, im Mai 2015 übergeben und in Star Legend umbenannt.
Das Konzert fand statt in der im Achterschiff gelegenen Lounge auf Deck 5. Dieser Raum strahlte auf Grund der Beleuchtung, der Bestuhlung und der übrigen Innenarchitektur eine „gefühlte Gemütlichkeit“ aus. In dieser Atmosphäre kamen viele der dargebotenen Shantys beim Publikum hervorragend an. Ein schöner Start eines eintägigen Aufenthalts. Welcome in Hamburg!
Heinz Raap
- Jork, 04.09.23

Der Altländer Shanty-Chor als Special Guest
Ende April, ein sonniger Mittwoch bei kaltem Wind in Steinkirchen. Der NDR-Moderator Yared Dibaba war in den vergangenen drei Tagen im Alten Land mit einem Fernsehteam unterwegs, um Menschen zu treffen und Stimmungen einzufangen. Produziert wurde die Startsendung der diesjährigen Staffel „Yared kommt rum“.
Die Regie hatte sich überlegt, den Besuch im Alten Land mit einem Treffen aller beteiligten
Interviewpartner bei leckerem Bäckerkuchen im Klugschen Saal ausklingen
zu lassen. Was Yared nicht wusste: als Überraschungsgast wurde der
Altländer Shanty-Chor ebenfalls eingeladen.
Und so entwickelte sich die „Abschlussparty“, neben dem geplanten netten Zusammensein, sehr zur Freude Aller zusätzlich zu einem kleinen Musikhappening: natürlich wurde Yared gebeten, gemeinsam mit dem Shanty-Chor einen Gesang anzustimmen. Das hat er auch gerne getan, schließlich ist er selbst Shanty-Sänger mit seiner Band „Die Schlickrutscher“.
An dieser Stelle konnten die Besucher die Tücken einer Fernsehproduktion live erleben: weil die Kameratechnik kurzzeitig nicht funktionierte, musste das Gesangsstück mit Yared wiederholt werden – sehr zur Freude aller
Gäste. So endete dieser Nachmittag mit einer zufriedenen Regie und
Gästen, die alle ein Lächeln im Gesicht hatten.
- Jork, 06.07.23

Altländer Shanty-Chor auf dem Hafengeburtstag
Der 843. Hamburger Hafengeburtstag Anfang Mai wurde an drei Tagen von mehr als eine Millionen Menschen besucht. Neben dem traditionellen Schlepperballett und dem Feuerwerk am zweiten Tag waren die Ein- und Auslaufparade am ersten und dritten Tag weitere Höhepunkte. Im Mittelpunkt dieser Paraden standen – wie in den vergangenen Jahren – eine Vielzahl von traditionellen Segelschiffen und weitere Traditionsschiffe. Auch der in Hamburg beheimatete Stückgutfrachter Bleichen war mit von der Partie.
Für die Gäste auf der Bleichen sorgte der Altländer Shanty-Chor während der gesamten Fahrzeit für die musikalische, maritime Begleitung. „Das war eine Premiere. Das erste Mal, dass der Chor auf einem Traditionsschiff am Hafengeburtstag teilgenommen hat“ erinnert sich der ehemalige Vorsitzende Uwe Richters, der die Geschicke des Chores über 40 Jahre leitete. Unter der bewährten musikalischen Leitung von Michael Bunge konnte der Chor einen Großteil seines Repertoires den begeisterten Gästen präsentieren. Umrahmt wurde das musikalische Programm vom ständig wechselnden Panorama beidseits des Schiffes im Hafen und auf der Weiterfahrt elbabwärts bis nach Bützfleth – und natürlich auch wieder zurück. Für alle Beteiligten unvergessliche Eindrücke!
- Jork, 11.05.23
Die beiden langjährigen Vorsitzenden des Altländer Shanty-Chors Uwe Richters und Günter Gröbel haben aus Altersgründen (76 und 78 Jahre) auf der diesjährigen Hauptversammlung nach 42 Jahren nicht erneut für den Vorstand des Chors kandidiert.
Aus der Mitte der Mitglieder wurden jeweils mit großer Mehrheit der Sänger Jens Bersuch (57 Jahre) als 1. Vorsitzender und die Musikerin Seija Giesen (48 Jahre) als 2. Vorsitzende gewählt.
Dieter Bobzin / Heinz Raap
- Jork, 16.02.23
Weihnachtskonzert an einem Wohlfühlort oder der Charme eines Shanty-Chors
Willy Vögtel ist mit seinen 87 Lebensjahren der „Senior“ im Altländer Shanty-Chor, dem er bereits seit 31 Jahren angehört. An einem Freitag im Dezember 2022 in Langenhorn, am nördlichen Stadtrand von Hamburg in der 1954 erbauten Broder-Hinrick Kirche, hat er eine besondere Mission, die ihm sehr am Herzen liegt: er moderiert das zehnte Konzert des Chores an diesem Ort und vor Menschen, denen er seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden ist.
Zur Erinnerung an dieses Jubiläumskonzert wurde der Pastorin Bettina Rutz ein Buch der Geschichte und Geschichten des Altländer Shanty-Chors überreicht (Frau Rutz „das war aber so nicht geplant“).
Alles fing in 2004, an einem Abend mit etwas Hochprozentigem, an. Willy und seine Freunde Jürgen Beecken und Eckhard Burmeister hatten eine Idee: die Altländer singen in Langenhorn. Nach den üblichen organisatorischen Schwierigkeiten war es endlich soweit: in der Adventzeit fand das erste Konzert statt, das zum Erfolg wurde.
Willy führte mit sehr persönlichen Worten durch das Abendprogramm. Es war mehrfach deutlich zu spüren, dass ihm diese Örtlichkeit, mitten in der denkmalgeschützten Fritz-Schumacher-Siedlung, und die Menschen im Publikum etwas bedeuten und wichtig sind.
Die Lieder (an diesem Abend in Hochdeutsch, Plattdeutsch, Englisch und Spanisch) wurden von Günter Gröbel angekündigt und mit so manchem historischen Fakt dazu dem Publikum nähergebracht.
Aber ja: Musik wurde natürlich auch gemacht. Stimmungsvolle Shantys und maritime Weihnachtslieder über mehr als zwei Stunden. Das Publikum hat es dem Chor mit mehreren Zugaben und stehendem Applaus gedankt. Wir kommen wieder! / Heinz Raap
Eine weitere Sichtweise zum Ablauf des Abends:
Am Freitagabend stiegen sie in den Bus – zwei Frauen und über 30 Männer.
Problemlos ging es durch den Elbtunnel und kurze Zeit später waren sie in Langenhorn angekommen. Dort gibt es eine kleine Kirche – und eine unglaubliche Fangemeinde.
Vor vielen Jahren war ein freundschaftlicher Kontakt entstanden und ein erstes Konzert verabredet – mit überwältigendem Erfolg, denn am letzten Freitag konnte der Altländer Shanty-Chor das zehnte Konzert in Langenhorn feiern.
Im ersten Teil des Konzertes spielte der Chor Shantys aus vielen Ländern. Angekündigt und mit mancherlei Döntjes versehen wurden sie charmant von Willy Vögtel und Günter Gröbel angekündigt. Michael Bunge, der Chorleiter, dirigierte mit guter Laune den Chor. Das Publikum ließ sich mitnehmen, schunkelte begeistert oder lauschte andächtig.
In der Pause gab es eine Kleinigkeit zu essen für den Chor. Kleinigkeit? Mach mal Essen für so viele hungrige Chorsänger und deren Musiker: immerhin zwei Gitarristen, drei AkkordeonspielerInnen und einen Mundharmonikaspieler waren mit. Aber es war den Langenhornern ein Anliegen, es schön für den Chor zu machen.
Im zweiten Teil wurden Weihnachtslieder gesungen. Die waren schon sehnsüchtig erwartet worden. Es ist so schön für Künstler, wenn z.B. „Sankt Niklaus war ein Seemann“ angekündigt wird und im Publikum froh „Oh ja“ geseufzt wird.
Zwei Zugaben wurden vom begeisterten Publikum gefordert und gerne gewährt. Das Publikum war begeistert. „So viel Charme, so tolle Sänger, so tolle Lieder, und mal ganz ehrlich, die Jungs sind schon ein bisschen über 30?“, wurde mit verschmitztem Lächeln gefragt. Ja, sind sie. Aber Charme versprühen sie wie eh und je!
Der Altländer Shanty-Chor singt übrigens auch noch am 10. Dezember um 17 Uhr in der Kirche in Apensen und am 24. Dezember zum Mitternachtsgottesdienst in der Matthiaskirche in Jork. / Birgit Schröder
Jork, 07.12.22

Altländer Shanty-Chor unterstützt Ukraine-Helfer
Im Juli diesen Jahres war es wieder soweit: der Altländer Shanty-Chor feierte sein Shanty-Festival über 2 Tage in Grünendeich mit befreundeten Chören. Traditionell war der Eintritt in diese Veranstaltung frei, so auch in diesem Jahr. Allerdings hat der Chor um Spenden für Ukraine-Helfer gebeten. Insgesamt sind – aufgestockt durch den Chor – 1.200 Euro zusammengekommen. Diese Spende konnte jetzt an die private ehrenamtliche Gruppe „Ein Herz für die Ukraine“ in Jork weitergereicht werden. Dankend…
- Jork,21.09.22
11. Shanty-Festival wurde in Grünendeich gefeiert
Ganz schnörkellos und nüchtern betrachtet ist ein Festival „nur“ eine mehrtägige Veranstaltung, bei der Künstler auftreten. Aber dieser Termin am vergangenen Wochenende stand unter einem besonderen Stern. Anstatt traditionell alle zwei Jahre (letztmals 2019), konnte dieses Festival Corona-bedingt erst nach drei Jahren stattfinden, so dass auch der 40. Geburtstag des Altländer Shanty-Chores in 2021 erst in diesem Jahr auf der Bühne im Gewerbepark in Grünendeich „nachgefeiert“ werden konnte.
Ein Shanty-Festival bietet dem Publikum immer die Gelegenheit, verschiedene Interpretationen dieser klassischen Arbeitslieder der Seefahrer aus der Zeit der Segelschifffahrt dargeboten zu bekommen. Von „traditionell“ bis hin zu maritim angehauchten Schlagern wurde alles geboten (von Lolita und Freddy aus den vergangenen Jahrzehnten bis zu Santiano heute). Diese Vielfalt wurde von Gastchören aus Hamburg, Dinslaken-Hiesfeld, Neu Wulmstorf, Stade und Berlin und nicht zuletzt vom veranstaltenden Altländer Shanty-Chor über beide Festival-Tage stimmgewaltig dargeboten.
Shantys werden auch in Regionen Deutschlands gepflegt, wo man es nicht unbedingt erwartet, z.B. Dinslaken-Hiesfeld in Nordrhein-Westfalen. Von dort kommt der große Chor, der von einer Vielzahl an Musikinstrumenten unterstützt wird (u.a. Geige, Dudelsack, Mandoline, analog Irish-Folk). Einen interessanten Sound hat auch der Shanty-Chor aus Berlin anzubieten, der sich u.a. mit Keyboard und Schlagzeug unterstützen lässt. Üblicherweise begnügen sich viele Chöre mit Akkordeon und Gitarre. Durch diese verschiedenen Instrumentalisierungen können natürlich Akzente im Sound gesetzt werden und so die teilweise doch recht alten Lieder in einem neuen „Licht“ erscheinen.
Vom Publikum mit sehr viel Applaus bedacht wurde eine
improvisierte und temperamentvolle Version eines der ältesten Shantys
„Roll the old chariot along“ der beiden Shanty-Chöre aus
Dinslaken-Hiesfeld und dem Alten Land. Hier war deutlich das Engagement
und die Freude aller Sänger und Musiker zu spüren und dieser Funke
sprang sehr schnell auf die Zuhörer über.
(Heinz Raap)
- Jork, 21.07.22




















